ValueNext: Grauwassernutzung in der Schweiz – Synthese und Empfehlungen

Das Projekt ValueNext (2023–2026) untersuchte die rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen für die Nutzung von aufbereitetem Grauwasser in der Schweiz. Die Untersuchung kombinierte eine Analyse des rechtlichen Rahmens mit der Auswertung von Pilotprojekten, einer Befragung von Betreiber:innen, einer Befragung potenzieller Nutzer:innen sowie Interviews mit Vertreter:innen kantonaler und nationaler Behörden. Daraus wurden Empfehlungen für Praxis und Politik zur Förderung einer sicheren und praxistauglichen Grauwassernutzung formuliert. Die Ergebnisse werden in einem umfassenden Abschlussbericht zusammengefasst.

Ausgangslage

Die lokale Aufbereitung und Wiederverwendung von Grauwasser, das häusliches Abwasser ohne Toilettenanteil umfasst, wird als Möglichkeit betrachtet, die Resilienz der Wasserinfrastruktur zu erhöhen und den Wasserverbrauch zu reduzieren. Das aufbereitete Grauwasser kann für Anwendungen wie Toilettenspülung oder Wäschewaschen genutzt werden. Derzeit besteht jedoch keine ausreichende Grundlage für eine sichere und praxistaugliche Umsetzung von Grauwassersystemen, bedingt durch einen unklaren rechtlichen Rahmen, fehlende Standards, unklare Zuständigkeiten und unterschiedliche kantonale Vollzugspraxen.

Ziel des Projekts

Ziel der Studie war es, die rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen für die Grauwassernutzung in der Schweiz zu analysieren und Empfehlungen zur Schaffung einer Grundlage für die praxistaugliche Umsetzung von Grauwassersystemen abzuleiten.

Aktivitäten und Umsetzung

  • Analyse internationaler und nationaler rechtlicher Rahmenbedingungen zur Grauwassernutzung
  • Auswertung bestehender Pilotprojekte und Betriebserfahrungen
  • Durchführung einer Betreiber:innenbefragung zu Betriebserfahrungen und Bewilligungsverfahren
  • Auswertung einer Nutzer:innenbefragung zur Akzeptanz alternativer Wassersysteme
  • Interviews mit Vertreter:innen kantonaler und nationaler Behörden
  • Synthese der Ergebnisse und Formulierung von Empfehlungen für Praxis und Politik

Erkenntnisse

  • Die Grauwasserwiederverwendung ist in der Schweiz nur indirekt geregelt. Während die Nutzung im Gebäude grundsätzlich möglich ist, führen fehlende Standards und unterschiedliche kantonale Vollzugspraxen zu einem regulatorischen Graubereich.
  • Die technische Funktionalität von Grauwassersystemen ist grundsätzlich gegeben, erfordert jedoch kontextspezifische Planung sowie geeignete Monitoring- und Betriebskonzepte.
  • Bewilligungsverfahren unterscheiden sich zwischen Kantonen und sind häufig aufwendig und mit unklaren oder unterschiedlichen Anforderungen verbunden. Finanzielle Anreize fehlen weitgehend.
  • Potenzielle Nutzer:innen stehen der Nutzung von aufbereitetem Wasser grundsätzlich positiv gegenüber, sofern Systeme sicher und einfach zu betreiben sind.
  • Behördenvertreter:innen beurteilen die Grauwassernutzung je nach institutionellem Kontext unterschiedlich. Nicht-trinkanwendungen im Gebäudeinnern fallen derzeit in keinen klar geregelten Zuständigkeitsbereich.

Empfehlungen

Die Studie empfiehlt folgende Massnahmen zur Förderung einer sicheren und praxistauglichen Grauwassernutzung:

  • Klärung des Rechtsrahmens durch klare Definitionen, abgestimmte Bewilligungsverfahren, Regulierung des Graubereichs und Überarbeitung besteheder Regekwerke.
  • Entwicklung technischer Standards und Leitlinien
  • Sicherstellung von Betrieb und Monitoring durch klare Betreiberpflichten und Schulungen
  • Schaffung finanzieller Anreize, beispielsweise über Gebührenstrukturen oder Förderinstrumente
  • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Behörden, Praxis und Forschung zur Weiterentwicklung von Standards und Vollzugshilfen

Ausblick
Die Empfehlung für die weiteren Schritte sind:

  • Kurz- bis mittelfristig können Massnahmen innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens umgesetzt werden, insbesondere durch Anpassungen im Vollzug und die Entwicklung technischer Leitfäden
  • Erfahrungen aus bestehenden Pilotanlagen sollen systematisch ausgewertet und in Praxis und Ausbildung überführt werden
  • Im Rahmen laufender Revisionen können situativ Anpassungen von Rechtsgrundlagen und Vollzugspraxis erfolgen
  • Langfristig sollen die gewonnenen Erkenntnisse in ein kohärentes nationales Regelwerk einfliessen
  • Interdisziplinäre Arbeitsgruppen und dauerhafte Austauschplattformen sollen die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden, Forschung und Praxis stärken

Projektbeteiligte

  • Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Forschungsgruppe Ökotechnologie, Projektleitung und inhaltliche Umsetzung
  • Fachliche Begleitgruppe mit Vertreter:innen von VaLoo, Eawag und AWEL
  • Vertreter:innen kantonaler und nationaler Behörden wurden im Rahmen von Interviews und Austauschformaten einbezogen.

Projekt­dokumentation
Abschlussbericht: Grauwassernutzung in der Schweiz – Synthese und Empfehlungen, ZHAW, 2026

Auftraggeber

Die Studie wurde unterstützt durch VaLoo. Ermöglicht durch den Migros-Pionierfonds treibt VaLoo eine ressourcen-orientierte Sanitärversorgung der Schweiz voran.

Unsere Kontakte

Verein VaLoo
c/o Ateliergemeinschaft Binz12
Binzstrasse 12
8045 Zürich
Schweiz

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