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Durstige Haushalte

Nur ein knappes Drittel der 142 Liter Trinkwasser beziehungsweise Frischwasser, das ein Schweizer Haushalt verbraucht, kommt aus den Armaturen, mit denen Gläser gefüllt, Teller gespült und Hände gewaschen werden. Der Rest des verbrauchten Wassers wird für Anwendungen gebraucht, welche nicht zwingenderweise Trinkwasserqualität voraussetzen. Dennoch hat das verwendete Wasser oft eine höhere Qualität als das in Flaschen abgefüllte Mineralwasser. So fallen beispielsweise pro Person täglich fast vierzig Liter Trinkwasser für die Toilettenspülung an.

Auch das Duschen, die Bewässerung und das Wäschewaschen sind grosse Posten unseres direkten Wasserverbrauchs. Hinzu kommt jedoch auch der indirekte Wasserverbrauch, also Wasser das für die Herstellung von Kleidern, Lebensmitteln und anderen Konsumgütern anfällt. Dieses Wasser wird als virtuelles Wasser bezeichnet. Der virtuelle Wasserverbrauch übersteigt den direkten Verbrauch um ein Vielfaches und liegt bei ungefähr 4200 Liter pro Person und Tag. Zum Vergleich: der durchschnittliche Trinkwasserkonsum im Kongo liegt pro Tag bei etwa 25 und virtuell bei 1500 Liter. In den USA liegt der virtuelle Wasserfussabdruck bei rund 7500 Liter.

Wertvolles Wasser

Ist das ein Problem? Die Schweiz gilt schliesslich als das Wasserschloss Europas. Doch sauberes Wasser ist eine begrenzte Ressource – und sie schwindet: Vermehrte Dürreperioden, die Abnahme der Permafrost-Wasserspeicher, der Rückgang von Grundwasser und die Nähr- und Schadstoffbelastung von Gewässern, sowie der anhaltende Trend zur Urbanisierung stellen auch hierzulande eine steigende Gefahr für die Süss- und Trinkwasserversorgung dar. Mikroverunreinigungen, chemische Verschmutzung durch Industriewasser, resistente Krankheitserreger sowie Plastikabfall stellen zudem ein weiteres Problem dar. Diese Verschmutzungen werden von Menschen verursacht und machen das Wasser zunehmend unbrauchbar.

Zudem hinterlässt die Schweiz einen grossen Teil ihres Wasser-Fussabdrucks im Ausland. Produkte mit hohem Wasserfussabdruck so wie Tomaten, Jeans oder Kaffee hauptsächlich importiert aus Ländern, wo Wasser zuweilen nur in sehr beschränktem Umfang verfügbar ist. Die Schweiz ist als Land, das an der Quelle sitzt, verpflichtet zu einem verantwortungsvollen Umgang und dem Schutz der wertvollen Ressource Wasser.

Um unsere Wasserressourcen zu schützen, müssen in Zukunft Kreisläufe geschlossen werden. Nicht nur um die Mengen einzusparen, sondern auch um zu verhindern, dass Verschmutzungen in den natürlichen Wasserkreislauf gelangen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung beinhaltet auch darauf zu achten, welche Wasserressourcen am effizientesten für welche Nutzung verwendet werden sollen.

Der erste Schritt besteht darin im Haushalt möglichst wenig Trinkwasser zu brauchen und nur einen minimalen Anteil mit unseren Ausscheidungen zu belasten. Unsere Ausscheidungen enthalten wertvolle Nährstoffe und sollten somit als Ressourcen angesehen werden – in der Abflussleitung sind sie somit definitiv am falschen Ort. Getrennt lässt sich das sogenannte Grauwasser mit verhältnismässig geringem Aufwand wiederaufbereiten. So kann es als Bewässerungswasser für Grünflächen oder Agrikultur oder als Betriebswasser im Haushalt genutzt werden. Typische Wiederverwendungen im Haushalt sind die Toilettenspülung und Waschmaschine oder sogar – bei entsprechender Qualität – zum Duschen und Baden.

Wasser und Energie sparen

Zeitgemässe Wasch- und Spülgeräte sind bereits stark auf das Wassersparen ausgerichtet und nehmen auch nur einen verhältnismässig geringen Anteil im Verbrauch ein. Bei Wasserhähnen und Duschbrausen bringen entsprechende Aufsätze eine Wasserersparnis von 30 bis 50 Prozent. Auch unser Verhalten beeinflusst den persönlichen Wasserverbrauch: Mit einer Sparbrause müsste rund vierzig Minuten geduscht werden, bis dieselbe Wassermenge wie bei einem Vollbad anfällt. In Wasser steckt jedoch auch eine Menge Energie. So könnte die Energie, welche das Warmwasser für ein Vollbad aufgeheizt hat, ein Smartphone vier Jahre lang laden.

Die Toilettenspülung macht einen grossen Anteil des Wasserverbrauchs aus – auch dafür gibt es Alternativen wie etwa Trocken- oder Trenntoiletten. Je nach Modell kann die Wassermenge deutlich oder sogar ganz reduziert werden. Darüber hinaus ermöglichen es solche Toiletten auch, Nährstoffe wie Phosphor, Kalium und Stickstoff aus unseren Ausscheidungen einfacher zurückzugewinnen.

Trennung an der Quelle

Um die Potenziale der verschiedenen Abwasserströme optimal nutzen zu können, sollten diese möglichst von Beginn weg getrennt gehalten werden. Eine ressourcenfokussierte Behandlung (Nährstoffe, Energie, Wasser) ist einfacher, wenn die jeweiligen Anteile nicht aus bereits vermischtem Abwasser wieder herausgefiltert werden müssen. Deshalb spricht man von Trennen an der Quelle. Für diese Arten des Abwassermanagements sind neue Elemente und Konzepte nötig: Verschiedene, parallellaufende Leitungen, mehr Bauraum, neuartige Designs von Toilettenschüsseln, Steuerungskomponenten. Die Entwicklung dieser Elemente und Konzepte, sowie deren Integration in die Architektur ist ein wachsendes Innovationsfeld.

Indem insgesamt weniger Wasser genutzt und als Grauwasser danach durch Aufbereitungsanlagen auf Siedlungs- oder Gebäudeebene direkt wieder für eine erneute Nutzung bereit gestellt wird, sollte sich die Trinkwasserzufuhr um gute zwei Drittel reduzieren lassen.

Text: Laila Lüthi und Tom Stäubli
Überarbeitung: Dorothee Spuhler, Gina Marti

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